Guter Content für Kinder und Kontaktlinsen ist rar. (Foto: fotolia)

Öffentlichkeitsarbeit zu Kontaktlinsen für kurzsichtige Kinder? Findet man selten in Deutschland. Laienverständliche, redaktionelle Informationen dazu, wie eine drohende, starke Kurzsichtigkeit bei Kindern verhindert werden kann? Fehlanzeige. Von Myopie-Management und Alternativen zu immer stärkeren Brillengläsern haben die meisten Betroffen und ihre Familien noch nie etwas gehört. 

Dabei ist starke Kurzsichtigkeit längst kein unausweichliches Schicksal mehr. Bei Kindern kann sie verhindert werden oder gestoppt. Zum Beispiel mit besonderen Kontaktlinsen, den sogenannten Nachtlinsen. Eingeweihte kennen sie auch als Orthokeratologie-Linsen, kurz: Ortho-K.

„Ortho-K”: Klingt ein bisschen nach Science Fiction.

Dabei gibt es diese persönlich angepassten Kontaktlinsen weltweit und in Deutschland bereits seit über 15 Jahren. Ich selbst kenne Menschen, die sie seit vielen Jahren zufrieden tragen. Und: Bei Kindern können Nachtlinsen Kurzsichtigkeit sogar stoppen. Das macht Hoffnung in einer Zeit, in der immer mehr Kinder in Deutschland kurzsichtig werden. Aber wieso weiß das hierzulande niemand?

Kontaktlinsen können kurzsichtigen Kindern helfen. Öffentlichkeitsarbeit auch.

Kurz vor den Sommerferien: Ich treffe Mutter und Tochter aus dem Schulumfeld, die ich bisher nicht kenne. Die Tochter (11) ist bereits stark kurzsichtig. Ich erzähle ihnen von Nachtlinsen, von Mutter zu Mutter. Schließlich kenne ich das Thema seit über fünf Jahren als PR-Beraterin und Redakteurin gut. Das sage ich auch.

Die Reaktion? Die Tochter hat alles schnell verstanden und ist neugierig bis begeistert: „Oh ja, Mama, darf ich das ausprobieren? Dann wär’ ich endlich die Brille los, müsste tagsüber gar nix tragen und würde nicht immer kurzsichtiger.” Die Mutter (skeptisch-ablehnend): „ Jaaa?? Seit wann gibt es das denn? Wenn es so etwas geben würde, wüsste ich das ja. Habe ich aber noch nie gehört.” Sie verabschiedet sich höflich-distanziert. Übrigens kamen die beiden gerade von einem Termin in der Augenklinik, wo die Tochter regelmäßig untersucht wird und wieder einmal eine stärkere Brille verschrieben bekommen hatte.

Ortho-häh? Myo-wie? Eltern kurzsichtiger Kinder wissen nichts von Myopie-Management.

Diese Reaktion auf Ortho-K ist mir nicht neu. Sie ist in Deutschland typisch. Menschen in Nordamerika, China und zum Beispiel unserem Nachbarland Niederlande stehen Nachtlinsen offener gegenüber.

Eigentlich erstaunlich in einer Zeit, in der jede/r von uns grundsätzlich jede Information jederzeit selbst recherchieren, überprüfen und abwägen kann. Und das auch tut. Gerade, wenn es um die eigene Gesundheit oder die der Familie geht. Deshalb wundere ich mich immer wieder: Eltern von kurzsichtigen Kindern wissen wenig bis nichts über Nachtlinsen.

Andererseits kann ich diese Menschen auch verstehen: Den ganzen Tag versuchen uns Unternehmen auf allen Kanälen ihre Produkte „aufzuschwatzen”. Da mache ich einfach mal zu, wenn mir etwas direkt zu abwegig, zu kompliziert oder riskant erscheint. Gerade, wenn es um mein Kind geht.

Es gibt zu wenig Öffentlichkeitsarbeit und redaktionelle Inhalte zu Kontaktlinsen für Kinder.

Hinzu kommt in diesem Fall noch ein anderes Problem: Informationsangebote zu maßangepassten Kontaktlinsen sind für den Laien oft schwer verständlich. Wer weiß schon, dass er oder sie myopisch – also kurzsichtig – ist? Und der Begriff Ortho- … äh, wie war das noch!?

Gerade, wenn es um persönlich angepasste Lösungen für Fehlsichtigkeit geht, wird es online kompliziert. Schließlich soll im Internet immer alles kurz und schnell sein. Kontaktlinsen-Angebote „von der Stange” und sogar „aus dem Automaten” finden sich dagegen überall und jederzeit ganz einfach. Und eine Brille trägt ja auch irgendwann jeder. Oder?

Weil ich schon viele Jahr Öffentlichkeitsarbeit für (individuelle) Kontaktlinsen mache, weiß ich: Es braucht eine neue, klare Sprache für Laien und eine zeitgemäße Content-Strategie für Nachtlinsen. Dazu gehören viel mehr seriöse und dialogorientierte Inhalte, die sich mit den Vorteilen von Nachtlinsen beschäftigen. Gern mit begeisterten Stimmen echter Kontaktlinsen-Fans, die mit Hilfe von Nachtlinsen ihre Kurzsichtigkeit gestoppt habe. Davon gibt es heute auch in Deutschland immerhin schon einige tausend.

Aber natürlich müssen auch mögliche Probleme beim Umgang mit diesen sogenannten formstabilen, also “harten” Kontaktlinsen offen thematisiert und erklärt werden.

Orth-K-Fans tragen begeistert “oben ohne”.

Übrigens sind Nachtlinsen sowohl für Kinder als auch für Erwachsene ein Chance: auf einen Alltag ohne Sehhilfe bei bester Sicht.

Heutige Nachtlinsen-Fans sind begeistert: Gerade Leistungssportler und Kontaktlinsenfans mit bewegungsintensiven Berufen, viel Bildschirmarbeit oder einem „schmutzigen”, staubigen Arbeitsplatz verzichten tagsüber gern auf jede Sehhilfe. Da schlafen sie lieber mit Kontaktlinsen und kommen nach dem Aufstehen dann den ganzen Tag „oben ohne” aus.

Linktipp Myopia Care

Übrigens: Die Website Myopia Care bietet neben einem Selbsttest für Betroffene Kindern und Eltern Informationen zur Kurzsichtigkeit bei Kindern, Behandlungsmöglichkeiten und Vorsorge.

(Foto: Little Baby Space Dream, fotolia, DN6)

Kaum Öffentlichkeitsarbeit zu Kontaktlinsen für kurzsichtige Kinder
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